Koordinationskreistreffen in Göttingen

DIVERSA lädt das Netzwerk zur Exkursion in den Wald ein
  • 13. Juli 2026
  • 4 min. Lesezeit
RhumequelleRhumequelle
© Christiane Thoroe/ZKfN

Am Bahnhof Göttingen wartete das DIVERSA-Team bereits auf die mehr als 20 Teilnehmenden. Gemeinsam ging es ein gutes Stück über Land bis zum Naturwald „Königsbuche“ nahe der Rhumequelle. Der naturnahe Buchenwald ist einer der Forschungsstandorte des Klima.Zukunftslabors DIVERSA und war Ende Juni Treffpunkt für das Koordinationskreistreffen.

Beim Koordinationskreis treffen sich die Koordinator*innen der Klima.Zukunftslabore regulär einmal im Monat – initiiert vom ZKfN – virtuell, um sich untereinander auf den neuesten Stand zu bringen und gemeinsame Aktivitäten zu planen. Darüber hinaus lädt jedes Klima.Zukunftslabor das Netzwerk auch einmal zu sich ein, um die eigene Forschung vor Ort ausführlicher vorzustellen. Gastgeber des aktuellen Treffens war DIVERSA, das Klima.Zukunftslabor, das erforscht, wie sich Wälder an klimawandelbedingte Störungen anpassen und wie ihre natürliche Resilienz gestärkt werden kann. Mit dabei waren auch Vertreterinnen des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur, die Geschäftsstelle des ZKfN und weitere Mitarbeitende/ Interessierte aus den Klima.Zukunftslaboren. Dr. Sandra Peters, die Koordinatorin von DIVERSA und Organisatorin des Koordinationskreistreffens, hatte zusammen mit einigen Projektkolleg*innen von DIVERSA ein vielfältiges Programm zusammengestellt. An mehreren Stationen stellten die Forschenden ihre Arbeiten, Methoden und Ziele direkt auf der Untersuchungsfläche vor und beantworteten die Fragen der Teilnehmenden. Davon gab es reichlich – denn schließlich geht es bei DIVERSA um die Zukunft unserer Wälder. Ein Thema, zu dem fast jede*r einen eigenen Bezug hat und das sowohl fachlich als auch persönlich Interesse weckt.

Den Auftakt machte Dr. Elisabeth Over von den Niedersächsischen Landesforsten. Sie stellte das Revier Rüderhausen vor, in dem die besuchte DIVERSA-Fläche liegt und erklärte Wissenswertes zum Thema Forstwirtschaft. Anschließend demonstrierte Dr. Sandra Peters den Einsatz eines Laserscanners. Während die Daten im Hintergrund am Laptop verarbeitet wurden, ging es weiter zur nächsten Station. Im Unterholz des Naturwaldes erreichte die Gruppe eine rund 0,5 Hektar große, alte Windwurffläche, die 1997 durch einen schweren Sturm entstand. Seitdem wird beobachtet, wie sich der Wald hier ohne Eingriffe entwickelt. Welche Baumarten setzen sich durch? Nimmt die Artenvielfalt nach einer solchen Störung sogar zu? Und welche Rückschlüsse lassen sich daraus für den Wald der Zukunft ziehen? Genau solche Langzeitbeobachtungen liefern Antworten auf Fragen, die sich oft erst viele Jahre später. Die Fragestellungen der Forstwissenschaft verändern sich im Vergleich zu anderen Sektoren deutlich schneller. Für die Langzeitforschung ist das eine besondere Herausforderung. Deshalb wird versucht, schon heute Daten zu erheben, mit denen auch die Fragen der Zukunft beantwortet werden können, erklärte Dr. Peter Meyer, Leiter der Abteilung Waldnaturschutz an der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt. Wie vielfältig die Methoden dafür sind, zeigte sich an den nächsten Stationen. Dort zeigte Daniel Ochterbeck seine Lichtfalle. An zwei Messpunkten – hoch oben in den Baumkronen und auf Augenhöhe – untersucht er Nachtfalter und kann so Unterschiede zwischen den Lebensräumen auf den verschiedenen Untersuchungsflächen erfassen.

Moritz Baumeister stellte anschließend seine Audioaufnahmegeräte vor, mit denen er das ganze Jahr über automatisch die Geräuschkulisse des Waldes dokumentiert. Besonders interessieren ihn Vogelstimmen und die für Menschen nicht hörbaren Rufe von Fledermäusen. Mithilfe künstlicher Intelligenz wertet er die Aufnahmen aus und gewinnt so Hinweise auf die biologische Vielfalt und ihre Veränderungen im Jahresverlauf. Nach so viel Forschung gab es Suppe und Kaffee mitten im Wald – und mindestens genauso viele Gespräche wie zuvor an den Messstationen. Wieder zeigte sich, wie lebendig der Austausch zwischen den Klima.Zukunftslaboren ist. So verabredeten sich Forschende von DIVERSA und UMEX-HOPE spontan zu einem „Beifangtausch“: Nachtfalter gegen Mücken.

Inzwischen waren auch die Laserscandaten verarbeitet. Auf dem Bildschirm konnten die Teilnehmenden den Wald, in dem sie kurz zuvor gestanden hatten, als dreidimensionale Punktwolke erkunden. Es wurde eifrig gezoomt und rotiert – auch wenn der Scanner eigentlich nicht dazu dient, hübsche Erinnerungsbilder zu erzeugen. Mit den Daten lässt sich vielmehr berechnen, wie viel Biomasse und damit Kohlenstoff in einem Waldbestand gespeichert ist. Den Abschluss bildete Luca Ehrminger mit seinem Einblick in die Modellierung. Dafür werden Wachstums- und Risikomodelle mit unterschiedlichen Annahmen zur Waldbewirtschaftung kombiniert. So lassen sich verschiedene Szenarien durchspielen und mögliche Entwicklungen der Wälder unter zukünftigen Klimabedingungen abschätzen.

Auf dem Rückweg gab es noch einen kurzen Halt an der Rhumequelle. Eigentlich nicht mehr Teil des Veranstaltungsprogramms – aber dieser idyllische Ort mit seinem türkis schimmernden Wasser konnte den Teilnehmenden, die zum Großteil nicht aus der Gegend stammten, nicht vorenthalten werden. Ein Tag voller Messmethoden, Forschungsfragen und Gespräche brachte nicht nur viele Einblicke in die Waldforschung, sondern auch neue Anregungen für den weiteren Austausch im Netzwerk. Vielen Dank an das DIVERSA-Team für die Organisation des Treffens und die spannenden Einblicke.

Impressionen vom Tag

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