Baumklettern vs. Drohne – Forschungsduell im Blätterdach

Wie ein Film Forschung im Wald anschaulich macht
  • 13. April 2026
  • 3 min. Lesezeit
Per Seil oder Drohne zur Krone?Per Seil oder Drohne zur Krone?
© Colleen Zeller / Zum Staunen*

Hoch oben zwischen Baumkrone und Himmel findet ein außergewöhnliches Duell statt: Zwei Forschungsteams aus dem Klima.Zukunftslabor FoResLab treten gegeneinander an. „Team Klettern“ und „Team Drohne“ – zwei Ansätze für dasselbe Ziel: wertvolle Proben aus der Baumkrone zu gewinnen, um den Gesundheitszustand der Bäume besser zu verstehen und damit wichtige Grundlagen für eine resiliente und zukunftsfähige Waldbewirtschaftung zu schaffen. Im direkten Vergleich wollen die Teams herausfinden, welche Methode – Baumklettern oder Drohne – schneller, sicherer und effizienter ist. Entstanden ist ein Film, der Forschung lebendig, verständlich und mit einem Augenzwinkern erzählt.

Wissenschaftskommunikation, die Spaß macht!

Der Film, der ab jetzt auf YouTube zu sehen ist, begleitet die beiden Teams bei ihrer Challenge in ein Waldgebiet südwestlich von Hannover. Dort entnehmen sie in mehr als 30 Metern Höhe kleine Äste und Blattproben – und machen dabei anschaulich, wie Forschung zu Wäldern im Klimawandel konkret aussehen kann.

Dr. Christina Hackmann klettert in Begleitung von Sharath Shyamappa Paligi von der Universität Göttingen mit Mut und Muskelkraft selbst in die Baumkronen. Malkin Gerchow und Steffen Dohmen von der TU Braunschweig setzen dagegen auf eine eigens entwickelte Sampling-Drohne. Begleitet wird die Challenge von Dr. Matthias Beyer, ebenfalls von der TU Braunschweig. In neun Runden lernen die Zuschauer*innen nicht nur die Methoden kennen, sondern auch die Menschen dahinter: ihre Motivation, ihre Arbeitsweise und die Herausforderungen, die Forschung unter realen Bedingungen mit sich bringt – und warum diese Arbeit entscheidend ist, um Wälder im Klimawandel besser zu verstehen.

Warum Proben aus den Baumkronen?

Unsere Wälder stehen unter Druck. Hitze, Trockenheit und Extremwetter hinterlassen Spuren. Und die zeigen sich oft zuerst dort, wo man sie vom Boden aus kaum sieht: in den Baumkronen. Der Klimawandel setzt den Wäldern immer stärker zu und stellt Wissenschaft und Forstwirtschaft vor große Herausforderungen. Wie soll der Wald der Zukunft aussehen? Welche Strukturen und Artenzusammensetzungen sorgen dafür, dass der Wald besonders resilient gegenüber sich verändernden Umweltbedingungen ist? Die Proben liefern die Grundlage, denn in Blättern und Ästen können Forscher*innen entscheidende Informationen über den Zustand eines Baumes ablesen. Sie geben Hinweise auf Wasser- und Nährstoffhaushalt, Stressreaktionen und Anpassungsfähigkeit. Genau diese Daten braucht die Forschung, um besser zu verstehen, wie Wälder auf den Klimawandel reagieren und wie sie künftig resilienter gestaltet werden können.

Zwei Methoden im Vergleich

Das Duell zeigt schnell: Es gibt nicht die eine perfekte Methode. Die Drohne erreicht auch schwer zugängliche Bäume und kann besonders auf großer Fläche, also an mehreren Bäumen, viele Proben nehmen. Es ist aber schwierig, sie präzise zu steuern. Das Klettern hingegen ist auch bei Wind und Regen möglich, wenn die Drohne nicht mehr fliegen kann. Allerdings erfordert es auch Training, Erfahrung und eine gewisse Portion Respekt vor der Höhe. Es eröffnet aber auch unmittelbare Nähe zum Forschungsobjekt, oder wie Christina Hackmann es beschreibt: Der Moment, in dem man einfach still oben in der Krone sitzt, das Rauschen der Blätter hört und die Aussicht genießt. Ein Vorteil, den keine Drohne liefern kann.

Zusammenarbeit statt Konkurrenz: Forschung im Verbund

Dass sich die Teams überhaupt „gegenseitig messen“, ist allerdings eine Ausnahme. Im Alltag arbeiten sie eng zusammen – im Klima.Zukunftslabor FoResLab, einem Verbund, der genau solche unterschiedlichen Perspektiven inter- und transdisziplinär zusammenbringt. Dort werden an festen Standorten über mehrere Jahre hinweg Daten erhoben – von verschiedenen Disziplinen, mit unterschiedlichen Methoden, aber immer mit Blick auf dieselben Bäume. So entsteht ein umfassendes Bild, das einzelne Ansätze allein nicht liefern könnten. Genau darin liegt der Kern: Nicht Konkurrenz, sondern Ergänzung.

Wie das Duell in luftiger Höhe ausgeht? Das wird hier nicht verraten. Der Film ist jetzt auf YouTube verfügbar: https://www.youtube.com/watch?v=CSGO046Ahqo

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© Colleen Zeller / Zum Staunen*

Hintergrund zum Film

Der Film basiert auf einer Idee von Dr. Matthias Beyer (Isotopenökohydrologe, Technische Universität Braunschweig) und Dr. Christina Hackmann (Waldökologin, Universität Göttingen)

Weitere Mitwirkende: Malkin Gerchow (ökohydrologischer Ingenieur, Technische Universität Braunschweig) Steffen Dohmen (Geoökologe, Technische Universität Braunschweig) und Sharath Shyamappa Paligi (Pflanzenökophysiologe Universität Göttingen).

Eine Zusammenarbeit von:
TU Braunschweig
Universität Göttingen
Kreativstudio für Wissenschaftskommunikation Zum Staunen*

Gefördert durch:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Eva Mayr-Stihl Stiftung über den Innovationspool des Kompetenzzentrums Landschaftsresilienz der Universität Göttingen

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